triviale und nicht-triviale Maschinen – Heinz von Foerster verdanken wir die Unterscheidung trivialer und nicht-trivialer Maschinen.

Triviale Maschinen (Systeme) reagieren dabei auf einen bestimmten Input (Impuls, Reiz, Intervention etc.) mit dem immer gleichen Output (Handlung, Wirkung, Reaktion etc.). Der Vorgang ist beliebig wiederholbar und zeitunabhängig. Landläufig sprechen wir in diesem Fall von einem klaren, eindeutigen Ursache-Wirkungs-Schema. Dabei kann das System in seiner Verarbeitung durchaus kompliziert und nur für Eingeweihte durchschaubar sein. Wir kennen solche Systeme als Automaten. Zigarettenautomaten geben auch um 3 Uhr morgens mehrere Zigarettenschachteln nach folgerichtiger Manipulation heraus, ohne ärgerlich zu werden. Fehler die Auftreten kann man nicht dem „Willen“ des Automaten zurechnen, sondern sind Menschen zuzurechnen: falsch eingelegte Zigarettenpäckchen, schlechte Wartung etc.

Nicht-triviale Systeme dagegen haben weder durch Selbst- noch durch Fremdbeobachtung in seiner ganzen Komplexität erfassbare Verarbeitungsabläufe, die zu überraschenden Outputs führen können, zumal die Erfahrungen mit Outputs wiederum in das System rückgeführt (Zirkularität) werden und damit zu einer Veränderung des Systems und seiner Verarbeitung führt oder führen kann. D.h.m.a.W., dass wir keine (!) Sicherheit auf z.B. gewünschte oder erwartete Outputs haben, so geschickt, einfühlsam, brutal und/oder intelligent die Interventionen auch immer sein mögen. Ein und dieselbe Intervention kann in unterschiedlichen Konstellationen zu unterschiedlichen Zeiten zu sehr unterschiedliche Reaktionen (Outputs) führen und Überraschungen werden mehr zur Normalität als das Vorhersehbare.

 


kompliziert und komplex – An Hand der Unterscheidung trivialer und nicht-trivialer Systeme haben wir soeben etwas beiläufig die Unterscheidung kompliziert und komplex gestreift.

Die Beantwortung komplizierter Fragestellungen bedarf einer besonderen Expertise, die einem logischen Ursache-Wirkungs-Schema folgt. Wir befinden uns im klassischen Bereich der Naturwissenschaften. Wasser verdunstet über dem Meer, bildet Wolken und fällt als Regen wieder auf die Erde. Wir bewegen uns im Feld des Berechnens, des Messens, des gesicherten Wissens, der Sicherheit, des Vorhersehbaren, der Zahlen, der Logik, der Wahrheit.

Ganz anders verhält es sich mit komplexen Phänomenen. Durch die Unbeobachtbarkeit der Elemente (weder von außen noch von innen – wer beobachtet beim Denken seine Gehirnzellen?) können wir auch ihr Zusammenspiel nicht kausal erklären. Es mag zwar sein, dass wir eine vage Ahnung von besonders wirksamen Faktoren haben und dadurch mit einer gewissen Zuversicht mit bestimmten Reaktionen rechnen (?), aber Komplexität zeigt sich gerade dadurch, dass sie diese scheinbare Sicherheit gerne durchbricht.

Für Feinspitze der Systemtheorie stellt sich nun die Frage, inwiefern diese beiden Begriffe ontologischer Natur sind, also ob die Unterscheidung bereits an sich vorliegt, oder erst eine der Beobachtung und der Kommunikation ist. Der konstruktivistischen Tradition der Systemtheorie verpflichtet ist man schnell verleitet sich gegen jede ontologische Zuschreibung zu wehren. Auf jeden Fall aber verwendet die Systemtheorie den Begriff Komplexitätsreduktion und suggeriert so, dass man durch mehr oder weniger geschickte Operationen die Komplexität auf ein Maß reduzieren kann, das sie bearbeitbar macht. Meiner Meinung nach hat man damit dann aber nicht die Komplexität reduziert sondern bloß versucht, sich im Dschungel unendlicher und wechselwirkender Faktoren zu orientieren, indem man Hypothesen bildet über ein sinnvolle Selektion besonders wirksamer Faktoren und deren Interdependenzen. Gleichzeitig zeigt sich gerade bei diesem Verfahren erst die Komplexität, indem sie sich an ihrer versuchten Reduktion rächt. Diese Argumentation redet nicht der ohnmächtigen Sinnlosigkeit jeder Handlung das Wort, sondern plädiert bloß für die Verwendung des Begriffs „Orientierungsversuche in der Komplexität“ statt „Komplexitätsreduktion“. Komplexität lässt sich weder Steigern noch Minimieren. Wer glaubt, dass eine Dreierbeziehung komplexer ist als eine Zweierbeziehung? Wer glaubt, dass ein Fünferteam weniger komplex ist als ein Sechserteam. Einzig die vorrangigen Themen mögen sich unterscheiden, nicht aber der Grad der Komplexität, und so wie Unendlich durch den Abzug von Endlichem nicht weniger wird, so wird Komplexität durch das Herausnehmen endlicher Faktoren nicht weniger komplex.

 


Hänschen klein - Mehr Programm, denn bloßer Begriff: Inkompetenzkompensationskompetenz

Es kriselt – Krise erscheint als Kapitulation vor der unsteuerbaren Komplexität. Als landläufige – wenngleich unbeobachtbare – Begrifflichkeit fungiert sie als Erklärungsprinzip und dient als Legitimationsprinzip für Interventionen, die aus welchen Gründen auch immer nur für Krisenbewältigungen schicklich sind. Interessanter als die Ursachenforschungen der Krise sind daher die Beweggründe und Absichten derjenigen, die in der Lage sind, soziale Gegebenheiten als Krise zu diagnostizieren und die Diagnose gesellschaftsfähig und interventionsrelevant zu gestalten.

So oder so – Der Theorie vorzuhalten, sie sei nicht praktisch, entspringt wohl dem Hass gegen diejenigen, die sich Denken gegenüber der nackten Reproduktion des Daseins gestatten. Dazu kommt die vorherrschende Ideologie, dass alles ökonomisch verwertbar sein muss – sie durchdringt den Gedanken und tötet ihn. Die allgemeine Theoriefeindlichkeit fürchtet sich vor der (der Theorie innewohnende) kritischen Tendenz, denn Theorie will benennen, was das Getriebe insgeheim zusammenhält und ist unabdingbar kritisch (Adorno).  Das ökonomistische Primat fungiert quasirational dank der Messbarkeit in monetären Zahlen und findet kaum mehr Kritik in der Theorie, sondern in den besseren Fällen Ergänzung und Erweiterung dieser scheinbaren Rationalität in Form der Psychologie und in den schlechteren Fällen generiert sich eine selbsternannte Psychologie als plumpe Ablehnung gegen das Kopfige, ohne Rechenschaft abzugeben, was das andere sei. Paradox verhext wenden sich die der Aufklärung verpflichteten Wissenschaften durch ihren Siegeszug gegen ebendiese Aufklärung, indem am Höhepunkt ihrer Rationalität durch ihren überhöhten Anspruch an das Alles-(Alleine)-Erklärende das Irrationale sichtbar wird.